LiBeraturpreis
 

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Die Sache mit dem „B“ oder ob Mann oder Frau ist nicht egal

Holger Ehling hat sich mit dem LiBeraturpreis beschäftigt, der alljährlich zur Frankfurter Buchmesse an eine Autorin aus Afrika, Asien oder Lateinamerika vergeben wird. Im Laufe der Jahre hat er Respekt vor dieser besonderen Auszeichnung für Frauen gewonnen und gibt eine Einschätzung der öffentlichen Wahrnehmung bei uns.

„Entschuldigung, aber ist das so richtig geschrieben mit dem „B“ in der Mitte?“, fragt die Journalistin und will damit klären, ob sich in die Meldung über die LiBeraturpreisträgerin Michelle de Kretser aus Sri Lanka/Australien vielleicht ein Fehler eingeschlichen hat. Nein, nein, da hat sich nichts eingeschlichen – der Preis heißt tatsächlich so und sorgt mit seiner ungewöhnlichen Schreibweise auch nach über 20 Jahren  immer noch für Aufsehen. Aber nicht nur damit.

Die Idee, einen Literaturpreis ausschließlich für Frauen aus der damals noch weitgehend so genannten Dritten Welt zu verleihen, war schon vor mehr als 20 Jahren, als sich eine Reihe von Literaturbegeisterten um die ebenso resolute wie weitsichtige Ingeborg Kaestner scharten, eine originelle. Wobei sich rasch auch kritische Stimmen zu Wort meldeten: „Ob Mann oder Frau – man sollte froh sein, wenn sich überhaupt jemand für diese Literaturen interessiert“, war das Argument gegen die Konzentration auf Literatur von Frauen, was so falsch tatsächlich auch nicht ist.

Aber: „Schreibende Frauen in Afrika, Asien und Lateinamerika haben bis heute mit sehr viel mehr Widerständen zu kämpfen als ihre männlichen Kollegen“, so die Feststellung von Ingeborg Kaestner und ihren Mitstreitern damals. Und deshalb dürfe es ruhig auch mal einen solchen Preis geben, die Männer seien auch so ganz gut versorgt. An dieser Überzeugung hat sich bis heute nichts geändert.
Tatsächlich hat sich der LiBeraturpreis in den jetzt 21 Jahren seiner Existenz zu einem weithin beachteten Signal entwickelt, das auch in den Feuilletons im deutschsprachigen Raum wahrgenommen wird: Der Bekanntgabe der Preisträgerin folgen jetzt breitflächige Portraits und Rezensionen in großen und kleinen Zeitungen und Zeitschriften, und auch während der Frankfurter Buchmesse – der Auftritt dort gehört für die Preisträgerinnen zur Pflichtübung – reißt der Strom der Interviews nicht ab.

Die Erfolge des LiBeraturpreises sind also offensichtlich. Dass gleichzeitig noch sehr viel mehr passieren muss, bevor Autorinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika bei den deutschsprachigen Verlagen und ihrer Leserschaft als selbstverständlicher Teil des literarischen Mainstreams angesehen werden, ist allerdings auch deutlich. Wobei die hohe literarische Qualität der LiBeratur-Preisträgerinnen in den vergangenen Jahren ganz wesentlich dazu beigetragen hat, den Zugang zu eben diesem Mainstream zu öffnen.

(Aus Literaturnachrichten, 7-2008)