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Editorial Literaturnachrichten, 7-2008
Frauen schreiben heißt das Thema dieses Hefts und wir vermochten uns kaum zu beschränken. Zu viele Schriftstellerinnen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien gibt es, die wir unbedingt vorstellen wollten. Und uns gar nicht erst aufhalten mit der Frage, was denn nun eigentlich Frauenliteratur ist. Verständlich, dass keine Frau, die schreibt, nur unter diesem Etikett wahrgenommen werden will: Nicht selten, dass eine Autorin von sich sagt, sie sei keine Feministin, im gleichen Atemzug aber einräumt, dass schreibende Frauen es schwerer haben als ihre männlichen Kollegen. In einem Interview sagte Angela Makholwa, die als Krimiautorin in Südafrika einen Bestseller landete, sie hätte besser ein männliches Pseudonym gewählt, dann wäre sie sicher noch erfolgreicher. „Man muss schreiben, wenn man eine Frau ist und aus dem Süden“, sagt die Algerierin Assia Djebar, Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels im Jahr 2000. Sie ist eine der wenigen, die international erfolgreich und deutlich sichtbar ist. Bereits 1989 erhielt sie den LiBeraturpreis, der ausschließlich an Autorinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben wird und der auch zwanzig Jahre später keineswegs obsolet ist. Denn Hand aufs Herz – welche Autorin aus Lateinamerika fällt Ihnen ein außer der Bestsellerautorin Isabel Allende? Dabei gibt es gerade dort eine wachsende Zahl weiblicher Autoren, die ihren Beruf mit großer Selbstverständlichkeit und Selbstbewusstsein ausüben. Andernorts haben es ihre Kolleginnen schwerer, allen voran im Iran und in der Arabischen Welt, in der Frauen weitestgehend vom öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Ihnen widmen wir hier jeweils einen kurzen Überblick, dabei könnten wir ein ganzes Heft mit ihnen füllen. Oder gehen wir nach Afrika, wo sich (wenige) Frauen als Schriftstellerinnen etabliert haben, die meist noch einem Brotberuf nachgehen und viele Probleme im Alltag zu bewältigen haben. Den notwendigen „Raum für sich allein“, den es zum Schreiben braucht, vermögen sie vor allem in sich selbst zu finden und sind dabei äußerst kreativ und produktiv. Und von ganz weit her erreicht uns eine Stimme aus einer Region, auf die die Welt im Moment blickt, Tibet und China nämlich, neben denen das kleine Bhutan kaum bekannt ist. Laut dessen Staatsoberhaupt eine Insel der Glückseligen, die für ihre Bewohner das Heil in der Spiritualität sieht. Wie sich das aus Sicht der Frauen darstellt, bringt uns Kunzang Choden nahe. Die Protagonistin ihres Romans wünscht sich ein Leben lang nichts sehnlicher als Lesen, Schreiben und Religiösität zu lernen, so wie die Männer. So disparat die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Autorinnen rund um den Globus sind, so ähnlich sind ihre Themen: Es geht um die Stellung der Frau, das Verhältnis der Geschlechter untereinander, um Unterdrückung, um gesellschaftliche Missstände, beschrieben aus weiblicher Perspektive. Der Unterschied liegt nur in der Ungleichzeitigkeit der Entwicklung. Anita Djafari |